Unser Schulbetrieb
Unser Schulbetrieb findet von Montags bis Freitags statt.
Mo: 15-18 Uhr, Di: 15:30-18:30 Uhr, Mi: 15:30-18:30 Uhr, Do: 14:30-18:30 Uhr und Fr: 15:00-18:00 Uhr
Ergänzend zum Unterricht ermöglichen wir unseren Reitschülerinnen und Reitschüler die regelmäßige Teilnahme an Lehrgängen, sowie Turnieren die an ausgewählten Wochenenden auf unserer Anlange oder auch extern stattfinden.
Wie Alles Begann (erzählt von Anna Smidt)
Das Leben mit unseren Schulponys und Pferden.
Aus wirtschaftlichen Gründen mussten wir uns in den 80er Jahren um ein zweites Standbein bemühen, denn durch den Deichbau, dem Emstunnelbau und der Milchqoutenregelung war es wirtschaftlich nicht mehr tragbar von der Milchwirtschaft den Betrieb aufrecht zu erhalten. Da unsere Kinder Silke, Harvey und Alice ihre Kindheit mit den Ponys erleben durften und Albert leidenschaftlicher Turnierreiter war entschlossen wir uns, einen Reitbetrieb aufzubauen. Nach bekanntwerden unseres Vorhabens, hatten wir so viele Anmeldungen, dass unsere 4 Ponys den Reitbetrieb nicht mehr abdecken konnten. Da Albert die Pferdemärkte in Holland besuchte, standen plötzlich 10 Ponys auf dem Hof. "Wie ein Ochse vor dem Scheunentor", so kann ich meine Lage beschreiben. Alberts Ding war es nicht den Reitunterricht zu führen und so musste ich, als zeitweise überforderte, zu sehen wie ich den Betrieb aufbaue. Natürlich waren die Ponys unserer Kinder ein eingespieltes Team, und wie hatte ich es zu händeln, wenn die neuen Pferde dazu kamen?!
Ich erinnerte mich immer an meine Kindheit, wo die Pferde ein so großes Gut waren, weil sie sämtliche Arbeiten die heutzutage mit Traktoren durchgeführt wurden mit Pferdestärken erledigt werden mussten. Wenn ein Pferd lahmte oder Krank wurde war große Verzweiflung auf den Höfen und alle waren bemüht. Sogar meine Oma, die mit Kräutern und Wickeln für das schnelle gesund werden sorgte.
Ich musste also versuchen alles zutun, dass die Ponys und Pferde sich Wohl fühlten. Ich musste versuchen ihnen Vertrauen zu schenken, was bedeutet, dass ich sehr viel mit ihnen geredet habe. Daran kann ich mich so gut erinnern, denn ich musste ihnen meine Unwissenheit und auch Überforderung beichten. Was ich in solchen Situationen erleben durfte ist bis zum heutigen Tag ein Geschenk. Ich kann es nur so beschreiben:
Zu Anfang waren es mehr die Freizeitangebote und so nahmen wir an 4 Tagen von 10-17 Uhr Kinder auf, die unsere Programm mit Ausritten, Grillen und Ponyspielen sehr gerne in Anspruch nahmen. Gegen Ende des Tages wurden noch einmal auf unserem Reitplatz einige Runden in der Abteilung gedreht - und wie so oft fanden die Kinder kein Ende, sodass es dann hieß noch eine Runde. Während einer Reitstunde Reitstunde stand ich schon am Zaun und Plötzlich scherte unsere Dashna aus der Abteilung aus, kam zu mir und schubste mich in den Rücken, reihte sich dann aber wieder anstandslos in die Abteilung ein. Ich hatte diesem Schubs keine Aufmerksamkeit geschenkt, erschreckte mich dann als sie in der nächsten Runde wieder auf mich zu kam - Ein Blick und wieder eine Berührung. Immer noch konnte ich die Situation nicht deuten. Und dann passierte so etwas einschneidendes, was mich ein Lebtag so bewegt hat, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Dashna lief mit ihrer Reiterin zu unseren Wassertümpel, lief einige Meter rein, setzte den Kopf runter und die Reiterin lag im Wasser. Und so war es immer; wenn der Reitbetrieb nicht um 17 Uhr beendet wurde, brachte sie die Reitschüler liebenswert zum Reittümpel. Von diesen Tag an wusste ich, dass meine Ponys keine Geldeintreiber waren, sondern etwas ganz kostbares. Sie lernten uns viel vom Verhalten und gemeinsamen Vertrauen.
Ich möchte noch ein Beispiel erwähnen. Eines Tages, Im Frühjahr mussten wir den Tierarzt rufen, denn unsere Ariel lag fast regungslos im Stall. Krämpfe und Fieber begleiteten sie. Vom Tierarzt kam die Aufforderung uns zu verabschieden, denn Ariel hatte wohl Tunja-Schnitt gefressen, den die Nachbarn über den Zaun geschmissen hatten. Der Tierarzt wollte sie einschläfern... Mein Herz blieb für einen Moment stehen und der Atem blieb mir weg... Plötzlich warf Ariel mir einen Blick zu, dies deutete daraufhin es nicht zutun, so habe ich es deuten können. Ich bat den Tierarzt alles an Medikamenten zu spritzen, die ihr helfen. Daraufhin meinte er, dass er in 3 Stunden wieder kommen wolle, um die letzte Spritze anzusetzen... Die Blicke von Ariel gingen mir durch Mark und Knochen, ich konnte es einfach nicht zulassen sie aufzugeben. Kopfschüttelnd und ich glaube etwas verärgert meinte der Tierarzt, ´dann kommt meine Kollegin um 15 Uhr vorbei´. Ariel ging es schlecht, aber die Blicke erzählten Bände. In der großen Box standen alle Ponys um sie herum und beschützten sie. Unser Reitbetrieb fing jeden Tag um 15 Uhr an. Und Plötzlich, Punkt 15 Uhr, stand Ariel auf als wenn sie sagen wollte `so jetzt gehts los´. Ich habe noch in meinem Leben nie wieder so eine verdutze Tierärztin gesehen. Meine Augen füllten sich mit Tränen und mein Herz war so erleichtert. Die Blicke, der Lebenswille und das Vertrauen von Ariel für mich und die Kinder war unfassbar...
Ich bin unendlich dankbar, dass unsere Kinder und auch Hanna diesen Spirit mit den Pferden und Ponys übernommen haben. Wie oft wurde Alice gefragt, wie sie mit einer Stute und einem Deckhengst zusammen auf dem Anhänger zum Turnierfahren kann und auch Silke, welche eine Leidenschaft zwischen Mensch und Tier zelebriert. Ich könnte noch von so vielen Begebenheiten erzählen. An erster Stelle stand für uns immer Zeit und ein unendliches Vertrauen von und zu den Tieren. Denn nur so können wir das Leben auf unseren Reiterhof führen und versuchen auch den Reitschüler*innen diese Leidenschaft, den Umgang und das soziale Miteinander zu lehren.
Uns liegt besonders am Herzen, dass unsere Schulponys- und Pferde ihr ganzes Leben lang in guten Händen sind. Sie begleiten uns oft sehr viele Jahre und deshalb begleiten auch wir sie bis zuletzt. Wenn sie älter werden und nicht mehr im Unterricht laufen, bleiben sie selbstverständlich Teil unserer Herde, vertraut und umsorgt in ihrer gewohnten Umgebung. Dort dürfen sie ihren Lebensweg in Ruhe, Würde und Geborgenheit vollenden. Und wenn ihre Zeit gekommen ist, kann die Herde und wir in aller Stille Abschied nehmen.
Als wir 1997 dem Reitbetrieb etwas mehr Struktur gegeben haben, sind wir mit unseren Schulponys und Reitschülern immer mehr in den Turniersport eingetaucht. Hier sahen wir auch unser Steckenpferd. Zeitweise zogen wir mit 30 Kindern und 15 Ponys los. Wir wurden von vielen Vereinen beliebäugelt, aber es war einfach so eine schöne Zeit. Nie musste man Angst haben das die Ponys auf dem Abreiteplatz oder im Viereck in Panik verfielen. Sie waren es, die den Reitschülern immer eine gewisse Sicherheit und gute Platzierung gaben. Doch eins muss ich noch erwähnen und das war sehr wichtig; immer musste Silke, Alice oder ich auf dem Abreiteplatz und am Dressurviereck stehen, so das die Ponys unsere Stimmen hörten. Ihnen gab es Sicherheit und Vertrauen, auch wenn es manchen Zuschauer vielleicht gestört hat. Für den ein oder anderen mag unser Umgang mit den Pferden und Ponys etwas suspekt klingen, was uns eigentlich egal sein kann, denn es ist unser wunderbares Leben mit all den Tieren und keiner von uns möchte es jemals missen.
So blicken wir heute mit großer Dankbarkeit auf all die Jahre zurück, auf unzählige gemeinsame Erlebnisse, gewachsene Freundschaften und die besondere Verbindung zwischen Mensch und Pferd, die unseren Hof seit jeher prägt. Was einst mit einer Idee begann, ist zu einem Ort geworden, an dem Vertrauen, Respekt und Herzblut gelebt werden. Und genau das soll auch in Zukunft weiter so bleiben: ein Platz an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene nicht nur reiten lernen, sondern auch Werte fürs Leben mitnehmen. Denn solange Hufschläge über unseren Hof klingen und Kinderaugen vor Freude strahlen, wissen wir, dass wir genau den richtigen Weg gegangen sind.







